Kino Welt

ALLES IN BESTER ORDNUNG

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VERLEIH: FILMWELT
KINOSTART: 26. MAI 2022

Der 32-jährige Systemanalytiker Fynn (Daniel Sträßer) beschränkt seine Besitztümer auf 100 Dinge und findet sich in seiner minimalen Welt, bis auf einige Unwägbarkeiten, sehr gut zu recht. Eines Tages verschlägt es ihn wegen eines Auftrages nach Köln. In seiner temporären Dienstwohnung verursacht er einen massiven Heizungsschaden, bei dem er nicht nur auf 86 Dinge downgesized sondern auch aus seiner Wohnung ausziehen muss.

Im Haus trifft er auch auf die 54-jährige zurückgezogene Zahntechnikern Marlen (Corinna Harfouch), die in ihrer 4-Zimmer Wohnung tausende von Dingen wild hortet und kaum Platz hat sich zu bewegen. Als sie ihn notgedrungen aufnimmt, obwohl sie keine Gesellschaft mag, kommen die beiden sich näher. Obwohl ihre Lebensentwürfe diametral sind, finden die beiden eine Form der Koexistenz. Als durch den, von Fynn verursachten Heizungsschaden eine Sanierung ansteht und die Handwerker in Marlenes Wohnung wollen, bricht beim ihr Panik aus. Doch mit der Hilfe von Fynn versuchen die beiden das unabwendbare abzuwenden. Damit steht Fynn scheint vor einer unlösbaren Aufgabe zu stehen, doch je klarer das Chaos in Marlenes Wohnung wird, findet auch Fynn eine Lösung für seine Probleme. 

Zwei Welten prallen aufeinander. Auf der einen Seite, der verschmitzt-schüchterne Fynn, dessen Lebensstil sein Motto „Ordnung ist das halbe Leben “widerspiegelt und auf der anderen die kratzbürstig-einsiedlerische Marlen, „Willkommen in der anderen Hälfte!“, die keinen Hehl aus ihrer Haltung zum chaotischen Alleinsein macht. Doch nun müssen die beiden notgedrungen sich auf engsten raum zusammenraufen und mit ihren gegenseitigen Charakteren die Unbill des Lebens meistern.

Aus dieser Situation hat die Drehbuchautorin und Regisseurin Natja Brunckhorst eine feinsinnig- subtile Tragikomödie gestrickt über zwei Menschen die unterschiedlicher nicht sein können und doch im inneren sehr ähnlich sind. Die Hauptprämisse des Films bewegt zwischen dem ewigen Konflikt von „nicht Loslassen-Können und Festhalten-Wollen“, dass sich bei den Protagonisten auch auf das Leben bezieht. Hierbei gelingt es der Regisseur nicht die Komödie ins kitschige abrutschen zu lassen und eine Versöhnung der Charaktere auf das rein „freundschaftlicher“ zu fokussieren.

Auch die scharfsinnigen Dialoge des ungleichen Paares in den verschiedenen Alltagssituationen sind pointiert gesetzt und zeigen scharfzüngigen Spott wider unser aller Lebenssituationen.

Die herausragende Corinna Harfouch, die vor Kurzem schon in dem Film „Das Mädchen mit den goldenen Hände“ brillierte gibt ihren herrlich kratzbürstig-chaotischen Charakter unglaubliche Tiefe und beweist, dass sie eine der größten Schauspielerinnen des deutschsprachigen Kinos Momentan ist.

Auch Daniel Sträßer („A Pure Place, 2021), als Minimalist Fynn, kann sein schauspielerisches Potenzial voll ausleben und gibt seinem Charakter eine tiefsinnige-spitzbübische und doch teilweise verlorene Aura.

Ein schöner Film, den man sich unbedingt zu zweit anschauen sollte!

jens oliver marcks