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ATEMBERAUBEND

BRING HER BACK

VERLEIH: SONY PICTURES GERMANY

KINOSTART: 14. AUGUST 2025

 

Als ihr Vater stirbt, werden Andy (Billy Barratt) und seine jüngere, sehbehinderte Schwester Piper (Sora Wong) für drei Monate zu Laura (Sally Hawkins) geschickt, bis Andy 18 wird und selbst Pipers Vormund werden kann. Laura ist fröhlich, neugierig, beharrlich und führt eindeutig etwas im Schilde. Sie hat außerdem einen weiteren Pflegesohn, den wortkargen, unheimlichen Oliver (Jonah Wren Phillips), und sie bemüht sich ein bisschen zu sehr, Andys und Pipers Kontakt mit ihm einzuschränken. Bald wird klar, dass Laura etwas Unheilvolles im Schilde führt, das mit dem tragischen Tod ihrer eigenen Tochter Cathy (Mischa Heywood) zusammenhängt. Überall um Laura herum tauchen Andeutungen auf, von ihrem Stoffhund bis hin zu einem Trinkspiel, das sie nach der Beerdigung des Vaters mit Andy und Piper spielt, bei dem sie ihren toten Vater küsst und ihm eine Haarlocke stiehlt. Außerdem täuscht sie Andy systematisch vor, er hätte psychische Probleme und wäre aggressiv, während sie Piper für etwas ganz anderes vorbereitet.

Im zweiten Horrorfilm der Drehbuch- und Regiebrüder Danny und Michael Philippou) setzen sie ihren Erfolg von ihrem Regie-Debut „Talk to Me (2022)“ fort.

Obwohl die Erzählweise simpel ist, spielt die Geschichte in ihrer alptraumhaften Mischung aus menschlicher und übernatürlicher Gemeinheit mit starken Gefühlen der Trauer. Die visuelle Intensität ist verstörend und reicht von schleichender Angst bis hin zu Jump Scares und schockierender Grausamkeit.

Zusammen mit ihrer Casting-Direktorin Nikki Barrett, haben die Filmemcher eine großartige Besetzung zusammengestellt, insbesondere die drei jungen Schauspieler im Mittelpunkt der Geschichte, Billy Barratt, Sora Wong und Jonah Wren Phillips können vollends in ihrem Schauspiel überzeugen. Zusammen mit der großartigen englischen Darstellerin Sally Hawkins („The Lost King (2022)“) werden dem Publikum die Haare zu bergen stehen, nachdem man von den Filmemachern durch eine subtile Achterbahnfahrt des Grauens geschickt wurde.

Zum Hauptthema des Films machten die Filmemacher die Trauer.

Unsere Gesellschaft scheut Emotionen und betrachtet viele Arten von Emotionen als irrational und destruktiv. Emotionen wie Wut und Trauer werden als negativ angesehen, während Emotionen wie Liebe als positiv gelten.

Dieser Film zeigt jedoch, wie Liebe einem zu schrecklichen Taten verleiten kann. Trauer ist der Preis der Liebe, denn wenn die Liebe endet, sei es durch Verlassenheit oder Tod, erleidet man, sofern man nicht nie Liebe empfindet, die Qualen der Verdammten, wenn einem die Lieben entrissen werden. Es führt kein Weg daran vorbei: Entweder man liebt nicht, oder man muss sich irgendwann mit der Trauer und der Unvermeidlichkeit des Todes abfinden.

Auf der Meta-Ebene des Films beschäftigen sich die Filmemacher mit dem Symbolhaften: Augen, Blindheit, Angst, Kreise, Regen und Glasscheiben. Die Glasscheiben veranschaulichen das klassische Dilemma: Der hungrige Mensch, in diesem Fall hungrig nach einer verlorenen Liebe oder einem verlorenen Selbst, trennt die Figur auf klägliche Weise. Die Figuren blicken hinein und hinaus, sehnen sich verzweifelt nach dem, was sich auf der anderen Seite des Glases befindet, bis das Glas immer wieder zerbricht, aber es bringt keine Erleichterung.

Der Film selbst ist Atemberaubend, roh und doch auf seine besondere Weise nachdenklich, bis einem plötzlich der Atem stockt. Dies ist wahrlich ein Kraftvolles und wahrhaftiges Filmschaffen, das aus der Seele und dem Verstand zu entspringen scheint.

jens oliver marcks