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FABIAN ODER DER GANG VOR DIE HUNDE

DCM

KINOSTART: 05. AUGUST 2021

 

Berlin im Jahre 1931. Die Weimarer Republik neigt sich dem Ende zu und die ersten Anzeichen des aufkommenden Faschismus sind nicht zu übersehen. In diesem moralisch-animalischen Hexenkessel lebt der verhinderte Literat Dr. Jakob Fabian (Tom Schilling) und verdient sich seinen Unterhalt mit geistlosen Werbetexten bei einem Zigarettenhersteller. An der Seite seines wohlhabenden Freundes, dem Doktoranden Labude (Albrecht Schuch), zieht er durch das nächtlich-dekadente Berlin, mehr als Beobachter der Bordell- und Kneipenszene jener Tage, denn als Akteur.  Als er wegen der Wirtschaftskrise seine Anstellung verliert wird es für ihn immer schwerer seinen Lebensunterhalt in Berlin zu bestreiten. Zeitgleich wird er von der nymphomanisch veranlagten Gräfin Irene Moll (Meret Becker) verfolgt, die ihm versucht sich ihn „zu kaufen“! Als er plötzlich auf seine große Liebe Cornelia Battenberg (Saskia Rosendahl) trifft ergibt sein Leben wieder Sinn. Doch dieses Glück ist nur von kurzer Dauer als er erst Sie und dann seinen besten Freund verliert, geht er wieder zurück in seinen Heimatort um neue Kraft und neuen Mut „zu tanken“.

Grundlage des Films ist Erich Kästners-Roman „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“, der eigentlich „DER GANG VOR DIE HUNDE“ heißen sollte, der Verlag aber diesen Titel ablehnte.

Der Drehbuchautor und Regisseur Dominik Graf („Der Rote Kakadu“, 2005) adaptierte diesen Titel für sein 3-stündiges Filmepos des Klassikers und skizierte wie ein Moralist wirklich zu Grunde geht in den letzten Jahren der Weimarer Republik, bevor sich das Unheil des „1000-Jährigen Unglücks“ über die deutsche Geschichte legte. Herausragend die Besetzung mit Tom Schilling als Fabian, Albrecht Schuch (Labude), Saskia Rosendahl (Cornelia Battenberg), Meret Becker (Gräfin Irene Moll) usw. scharte er ein großartiges Schauspielensemble um sich. Tom Schilling als Fabian ist in der Besetzung ein Geniestreich. Wie auch bei „Oh Boy (2012)“ und „Werk ohne Autor“ (2018), wo er ähnliche Charaktere spielte, wirkt er in seinem Spiel Zeit- und Rastlos, als ewig getriebener Antiheld. Ähnlich auch Albrecht Schuch (Labude) der kompromisslos den ewig rastlosen lebenshungrigen Vergnügungssüchtigen gibt und mit seiner verletzlichen Seele hadert. Als Ruhepol zu diesem Duo schafft es Saskia Rosendahl (Cornelia Battenberg) Dr. Fabian Halt zu geben.  Die avantgardistisch-filmischen Kunstgriffe die den Zuschauer in das Jahr 1931 entführen sind so atemberaubend, Schwenkkamera/surrealistische Überblendungen/ atemlose Schnitte, das dem Zuschauer die 179 Minuten dieses Meisterwerks wie im Fluge vergehen. Der Roman „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“, der heute zu den besten der deutschen Literatur gehört, war zu seiner Zeit ein Weckruf gegen den aufkommenden Faschismus und hat in unserer heutigen Zeit seine Aktualität nicht eingebüßt. Der Regisseur Dominik Graf hat dies gekonnt in Szene gesetzt und mit diesem Film ein großartiges Meisterwerk des avantgardistischen Films geschaffen der den Geist der Romanvorlage außerordentlich wiederspiegelt.

Ein Meisterwerk, ein Epos des Deutschen Films, von dem man noch viel hören wird! Absolut Sehenswert!

jens oliver marcks