BERLINALE
PANORAMA
ANDREA LÄSST SICH SCHEIDEN
Andrea (Birgit Minichmayr) ist als Polizistin in einem kleinen Ort mitten im Nirgendwo von Niederösterreich stationiert. Dort lebt sie bei ihrem kranken Vater, da sie sich von ihrem Noch-Ehemann Andy (Thomas Stipsits) getrennt will auch dieses Kapitel beenden, um eine neue Stelle in St. Pölten anzutreten. Bei einer Trunkenheitsfahrt überfährt sie ihren angetrunkenen Noch-Ehemann. Doch Geistesgegenwärtig, versucht sie die Spuren zu verwischen und den Unfall zu verheimlichen, da Andrea ihren Job, ihre Karriere und Zukunft nicht aufs Spiel setzen will.
Als sie kurz danach an den Tatort gerufen wird, erfährt sie zu ihrer Überraschung, dass Franz (Josef Hader) ein trockener Alkoholiker und Religionslehrer sich für die Tat verantwortlich fühlt und den Unfall zugibt.
Durch Schuldgefühle geplagt sucht sie privat Franz auf, der wieder zu Trinken angefangen und zielsicher seinem Untergang entgegensteuert. Es scheint so, dass er nicht mit seinem Schicksal hadert und dies als „Prüfung“ an zu sehen scheint.
Diese Einstellung zum Leben selbst, macht Andrea nachdenklich.
Langsam kommen sich diese beiden unterschiedlichen Charaktere näher, die doch einige Berührungspunkte miteinander finden.
Der Kabarettist, Regisseur und Drehbuchautor Josef Hader bringt mit „Andrea lässt sich scheiden seinen zweiten Spielfilm in die Kinos. Wie von ihm gewohnt, schafft er es wieder eine unterhaltsame schwarze Dramödie mit wirklichem bissigem Humor zu erzählen.
Jede Figur des Charakterensembles ist ambivalent zu betrachten, was für dieses bitterböse Genre als ein äußerst wichtiges Merkmal erscheint. Die Titelfigur Andrea z.B. verhält sich direkt, kurz und knapp in der Wortwahl, und gewissermaßen etwas motivationslos. Ihr Ziel als Kriminalbeamte aufzusteigen und in die Landeshauptstadt St. Pölten zu ziehen, würde sie ohne große Rücksicht auf familiäre Bindungen in die Tat umsetzen. Genauso adäquat kalt wird die Figur verkörpert von Birgit Minichmayr, sodass man an ihren teilweise makabren Handlungen nie zweifelt, ohne sie hundertprozentig zu verurteilen.
Josef Hader als Religionslehrer Herr Leitner, der sich in seiner Rolle des Verdammten aber viel zu wohl fühlt, kann Hader seinen mit ihm so vertrauten trockenen und pointierten Humor voll ausfalten. Man merkt ihm an, dass er sich in seiner Figur des Geächteten wohl fühlt.
Auch die weiteren Charaktere, wie Thomas Schubert („Roter Himmel (2023)“), der Andreas Polizeikollege Georg spielt, kann sich wieder als starker Charakterdarsteller beweisen.

In „Andrea lässt sich scheiden“ liegen Komik und Tragik nur einen Steinschlag voneinander entfernt, und der bissig-schwarze österreichische Humor und der Wiener Dialekt machen diesen Film zu einem wahrlich-einzigartigen Filmgenuss!
SCREENIGs: 20.02. 10:00 CUBIX 5
24.02. 18:00 ZOO PALAST 1
