BIS WIR TOT SIND
BIS WIR TOD SIND ODER FREI
CAMINO FILMVERLEIH
KINOSTART: 13.01.2021
Schweiz Anfang der 1980er Jahre: Der aufkeimende Widerstand der schweizerischen Jugend bricht sich Bahn in Demonstrationen und Straßenschlachten gegen den Mief der verkrustet-alten Herrschaft der dortigen Gesellschaftsschichten. Mitten in dieser revolutionären Zeit engagiert sich die von Idealismus und Lebenshunger getriebene Anwältin Barbara Hug (Marie Leuenberger) für die Jungen Leute. Selbst kämpft Barbara Haug auch gegen ihre Krankheit, sie ist auf Grund eines Nierentumors in ihrer Kindheit auf Dialyse angewiesen und versucht soviel wie möglich aus ihrer verbleibenden Zeit zu machen. In diesen Wirren trifft sie den ehemaligen Sohn eines schweizerischen Industriellen, Walter Stürm (Joel Basman), der sich als Zeichen seines Lebenshungers und der Rebellion gegen seinen Vater als Bankräuber verdingt und in der Schweiz als Ausbrecherkönig gefeiert wird. Das „Anwalts-Kollektiv“ für das sie arbeitet versucht Walter Stürm als „Schweizer „Che zu instrumentalisieren. Sie entdeckt in ihm eine gleiche, rastlose Seele der versucht an den verkrusteten Strukturen einer „vorsintflutlichen“ Schweizer Gesellschaft zu rütteln. Für die beiden beginnt zwischen Flucht und Kampf eine „Amour Fou“, die letztlich an den unterschiedlichen Zielen scheitert.
Der Film „Bis wir Tod sind oder frei“ basiert frei auf dem Buch von Reto Kohler, „Stürm – Das Gesicht des Ausbrecherkönigs“. Dieses Buch schildert nicht nur die Person und das Leben des 1999 durch Suizid gestorbenen Peter Stürm, sondern prangert vor allem die Zustände in den Gefängnissen im Umgang mit den Häftlingen, z.B. durch Isolationshaft und Prügelstrafen , und den kompromisslosen Umgang der Justiz und der Polizei mit den demonstrierenden Jugendlichen an.
Der Film schildert das Leben dieser beiden extremen Charaktere, Barbara Haug und Peter Stürm sehr intensiv und kompromisslos. Man fühlt sich intensiv erinnert an „About de Soufle“ (1960) von Jean-Luc Godard. Der Zuschauer wird atemlos mitgerissen in dieses unstete Leben dieser beiden extremen Charaktere, die von Anarchie, Rebellion und rastloser Liebe nie genug bekommen und später daran verglühen werden aber dabei endlich für sich alleine die Freiheit finden.
Mit Joel Basman („Wir sind jung. Wir sind stark.“,1992) “als „Walter Stürm“ und Marie Leuenberger („Die göttliche Ordnung“, 2017) als Anwältin Barbara Haug hat der Regisseur Oliver Rihs ein großartiges Charakterpärchen gefunden, die diese Lebenshungrigen und Zwiegespaltenen Menschen beinahe authentisch verkörpern. Von beiden wird hier eine einzigartig-besessene schauspielerische Leistung abgeliefert. Auch die Nebenrollen hat man großartig besetzt. Mit Jella Haase („Berlin Alexanderplatz“, 2020) als Peter Stürms Geliebte und Anatole Taubman („Bond: Ein Quantum Trost“,2008) als der damalige schweizerische Oberstaatsanwalt Peter Rothenburg hat Oliver Rihs ein großartiges Ensemble versammeln können. Als Kameramann konnte der Regisseur den Schweizer Kameramann („Dead Fucking Last“,2012) Felix von Muralt gewinnen, der durch seine abwechselnd ruhig und kompromisslose Kamerafahrten den unbändigen Lebenshunger und die zerstörerische Selbstzerfleischung wie unter einem Mikroskop einfängt.
Ein atemloser Film über eine sich im Umbruch befindliche Gesellschaft in der, die beiden Charaktere individuell ihre Freiheiten finden und am Ende doch allein sind.
SEHENSWERT und der erste „MUST SEE“ Film des Jahres 2022!
jens oliver marcks

