Kino Welt

CRIMES

CRIMES OF THE FUTURE

VERLEIH: WELTKINO FILMVERLEIH

KINOSTART: 10. NOVEMBER 2022

 

In einer dystopischen Zukunft haben die Menschen die Fähigkeit verloren Schmerz zu empfinden. „Body Modifikation“ ist der neue „Sex“ der Menschheit. Das leben auch die Künstler Caprice (Léa Seydoux) und ihr „Modell“ Saul Tenser (Viggo Mortensen) aus. Saul hat die Fähigkeit, neue Organe in sich wachsen zu lassen, die bei Art Performances herausoperiert werden. Vorher aber müssen diese „neuen“ Organe beim „National Organ Registry“ gemeldet und archiviert werden. Dort treffen die beiden Künstler auf die Bürokraten Wippet (Don McKellar) und dessen Assistentin Timlin (Kristen Stewart), die ganz fasziniert von dem Künstlerpärchen sind. Doch die „NEW VICE“, eine Polizei die die Körpermodifikationen überwacht hat das Künstlerpaar schon im Visier.

Als an das Künstlerpaar Lang Dotrice (Scott Speedman), der Anführer einer Gruppe von mutierten Menschen herantritt, die die Fähigkeit haben Plastik zu essen, die sog. „Plastikfresser“, rückt das Künstlerpaar noch weiter in den Fokus der „Körper-Polizei“!

 

Der Begründer des modernen „Body Horrors“, Regisseur und Drehbuchautor David Cronenberg, ist wieder zurück auf der Leinwand. Wer kennt sie nicht seine kultigen Schocker, wie „Parasitenmörder (1976)“, „Videodrome (1979)“, „Die Fliege (1987)“,“Crash (1996)“, „Naked Lunch (1992)“ oder „eXistenz (1999)“? Mit nunmehr 80 Jahren ist er wieder zu seinen filmischen Wurzeln zurückgekehrt.

Wie bei Cronenberg typisch, wirkt das Drehbuch und die Handlung unzusammenhängend. Der Zuschauer folgt den Figuren wie in einem fieberhaften und invasiven Traum, der ihn nicht loslässt und ihn mit dem subtilen „Body-Modifikation-Horror schweißnass im Kinostuhl zurücklässt.

Die Schauspieler Viggo Mortensen, Léa Seydoux, Don McKellar, Kristen Stewart und Scott Speedman verleihen diesem Film durch ihre streng minimalistischen Darstellungen die nötige Tiefe, Emotionsfülle und Intensität.

Cronenberg greift mit den „Plastikfressern“ auch das kontroverse Thema des „Mikroplastiks“ auf, dem die Umwelt und am Ende auch der Mensch ausgesetzt ist. Denn wir sind durch das Mikroplastik selbst schon zu „Plastikfressern“ geworden, ohne dem richtig gewahr geworden zu sein. Werden wir in der nächsten Evolutionsstufe auch Plastik verdauen können?

Grandios verstörend auch wieder das bizarre Set-Design. Hier zeichnet wieder Carol Spier verantwortlich, die auch schon Cronenbergs bizarre Fantasien wie „Naked Lunch“, „eXistenz“, „Videodrome“ oder „Scanners“ als Set Designerin umgesetzt hat.

Die „unter die Haut gehende“ verstörende Atmosphäre wurde von dem Kameramann Douglas Koch („Der Gesang der Meerjungfrauen“,1987) meisterlich eingefangen und Howard Shore steuert wieder einmal einen atemberaubenden Score bei.

„Crimes of the Future“ ist der Inbegriff von Cronenberg. Ein sinnlicher und verstörend faszinierender Fiebertraum, der mit einem meisterhaften und provokativen Blick die Schnittmenge von Fleisch und Technologie, Schmerz, Lust und Vergnügen neu bewertet. Es mag vertrautes Terrain abdecken, aber der Film hat etwas Überzeugendes über die Natur des Filmemachens und darüber, wie wir Kunst im digitalen Zeitalter konsumieren, zu sagen.

Für Cronenberg-Fans ein unbedingtes „MUSS“! Ein Film der auch der Gemeinde der „Body-Modificater“ unter die Haut geht und diese Art seinen Körper zu „perfektionieren“ einen neuen Hype bereiten wird.

jens oliver marcks