DIANA
SPENCER
DCM
KINOSTART 27. JANUAR 2022
England 1991. Wie jedes Jahr trifft sich der engste Kreis der englischen Königsfamilie zu Weihnachten im Sandringham Palast der Königin in Norfolk zu einer dreitägigen Weihnachtsfeier. Bis auf die „Princess of Wales“, Diana (Kristen Stewart), reist die gesamte Familie geschlossen an. Diana, damals schon entfremdet von ihrem Mann Prinz Charles (Jack Farthing), lässt es sich nicht nehmen auf eigene Faust anzureisen. Doch jeder Meter der sie dieser Weihnachtsfeier näherbringt, lässt sie verzweifeln. Denn diese drei Tage sind geprägt von dem starren Korsett der höfischen Etikette. Angefangen, dass man sich als Gast vor den Feiertagen wiegen lassen muss, eine Tradition die Prinz Albert, 1816-1861, dem Prinzgemahl der Queen Viktoria, erlassen wurde, dass zu jeder Tageszeit die exakte Garderobe vorgegeben wird bis hin zur traditionellen Fasanenjagd am Ende der Festtage. Der Empfang der übrigen Gäste der Familie ist kühl und reserviert. Einzig die Freude ihre Söhne William (Jack Nielen) und Harry (Freddie Spry) wiederzusehen scheint sie dafür zu Entschädigen. Wäre da nicht der grimmige Sicherheitschef Alistair Gregory (Timothy Spall) der ihr das Leben von Anfang an zur Hölle macht. Von ihrem Mann Prinz Charles, kann sie auch keine Hilfe erwarten, ist doch schon bekannt, dass er nebenher mit Camilla Barker Bowles eine Affäre hat. So durchleidet sie diese Feiertage bis hin zur Verzweiflung, immer im Bestreben, die für sie verknöcherten Traditionen aufzubrechen.
Dieser Film ist nicht die erste Biographie, die der Regisseur Pablo Larraín verfilmt hat. Nachdem der chilenische Regisseur 2016 mit „Neruda“ ein einfühlsames Portrait des weltbekannten chilenischen Schriftsellers auf die Leinwand brachte und schließlich Natalie Portman in „Jackie: Die First Lady“ 2016 fulminant in Szene setzte, nahm er sich nun einer weiteren tragischen Frauenikone an: DIANA SPENCER. In beiden Fällen handelt es sich um Frauen, die tragisch in einer streng hierarchischen und streng reglementierten Umgebung „gefangen“ sind und nur durch einige „erlaubte“ Handlungen für sich und andere glänzen können.
Auch wenn es sich hierbei streng genommen um keine wahre dokumentierte Begebenheit handelt, da das britische Königshaus so gut wie nichts Persönliches nach außen dringen lässt, dies macht der Regisseur schon im Intro klar indem er diesen Film als „Fabel, basierend auf einer wahren Tragödie“ tituliert, kann der Zuseher schon erahnen, welcher Druck auf Diana Spencer lastet und sie von der Tradition und Vergangenheit des Königshauses erdrückt wird. Aus einer naiven jungen Frau, die einst ihren „Märchenprinzen“ geheiratet hat ist eine zu tiefst neurotische und zerbrechliche Frau geworden, die sich von der Familie und deren Lakaien beobachtet und gegängelt fühlt und gefangen ist in einem goldenen-verstaubten Käfig. Die Darstellung von Kristen Stewart als Diana Spencer ist herausragend. Mit allen Facetten kann sie die Tragik ihres Charakters weitergeben und bei den Zuschauern nur „kopfschüttelnd-grausiges“ Entsetzen erwecken, ob der Zustände unter dem Regiment von Queen Elizabeth II. Herausragend auch die Darstellung von Timothy Spall als omnipräsenter Sicherheitschef, der Diana nie aus den Augen lässt.
Dieser Film geht unter die Haut und wird die Zuschauer spalten. Für die Diana-Fans ist diese „horrormäßige Tour de Force“ die Diana durchstehen muss aufs größte Maß Sehenswert. Die Anhänger der Queen und des restlichen Königshauses werden „Not Amused“ sein, da, wenn auch kaum sichtbar, die von Pablo Larraín inszenierte „negative“ Präsenz der Queen, allgegenwärtig und klaustrophobisch wirkt.
jens oliver marcks

