Kino Welt

EMPFEHLENSWERT

NOMADLAND

( Walt Disney)

Nach dem Tod ihres Mannes lebt und arbeitet die 60 Jährige Fern (Frances McDormand) in der Kleinstadt „Empire“ in Nevada. Nachdem der einzige große Arbeitgeber der Umgebung seine Fabrik geschlossen hat, der Ort selbst seine Postleitzahl verloren hat und sie Arbeitslos geworden ist. Als man ihr Nahe legt in „Frührente“ zu gehen beschließt sie schließlich diese Trostlosigkeit zu verlassen und mit ihrem klapprigen Wohnwagen ohne eine bestimmte Richtung oder ein bestimmtes Ziel zu haben das Leben einer modernen Nomaden zu beginnen .

Fern könnte zwar jederzeit auf Grund ihrer beruflichen Qualifikation einen normalen Job ergreifen, aber stattdessen lässt sie sich von Job zu Job treiben. Mal arbeitet sie als Erntehelferin, reinigt Toiletten, mal hilft ihn einem Lager eines großen Versandhauses aus. Zwischendurch lernt sie, dass sie nicht die einzige ist die solch ein Nomadenleben führt. Aufgrund der prekären sozialen Situation in den USA gibt es eine Vielzahl von „Nomaden Communities“ die ganzjährig von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz fahren müssen.

Für Fern, die darauf besteht „nicht obdachlos, sondern nur hauslos“ zu sein wird dieser uramerikanische Leben zur Erfüllung ihres Willens, Ungebunden zu sein. Je mehr sie die eigenen Familienbande löst, da sie dort auf Unverständnis stößt, liebt sie es in der Community dieser Nomaden der Neuzeit auf zu gehen.

Die chinesische Regisseurin Chloé Zhao, die schon mit den Filmen „Songs My Brothers Taught Me“ (2015) und „The Rider“(2017) sich mit den sozialen und ethnischen Verwerfungen in den USA beschäftigte und für ihre Filme gefeiert und ausgezeichnet wurde, hat bei der ( losen) Adaption des Sachbuches von Jessica Bruder “ „Nomadland: Surviving America In The Twenty-First Century wieder ein gekonntes Händchen bewiesen.

Die Autorin Jessica Bruder hatte sich extra für ihr Buch ein Jahr lang den Arbeitsnomaden in den USA angeschlossen um auf die Schicksale dieser Menschen hinzuweisen und ihre Not und Armut offen zu legen, die diese Menschen zu einer verschworenen Gemeinschaft werden ließen.

Was den Film so großartig macht ist, dass die Regisseurin einen Teil der Protagonisten des Buches mit in den Film und die Handlung einbezieht. Dies verleiht dem Film ein großes Maß an Authentizität und spiegelt die Warmherzigkeit, Widerstandskraft und Kreativität dieser Menschen wider.

Mit Frances McDormand (Oscar für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“, 2017) bekommt die Rolle der „Fern“ eine einmalige Ausstrahlung und Leben eingehaucht. Auch wirkt das schauspielerische Verhältnis zwischen der unprätentiösen Frances McDormand und den Laiendarstellern wirklich authentisch und unverkrampft.

Der Kameramann Joshua James Richards rundet dieses Drama mit seinen langen und großartigen Panoramaaufnahmen der „weiten Landschaften der USA“ ab und entführt den Zuschauer in eine bildhafte Trance des modernen Nomadenlebens.

„Nomadland“ ist ein großartiger Film mit einer herausragenden Frances McDormand und authentischen Laiendarstellern, die eine große Geschichte über eine Gesellschaft erzählt, die teilweise aus sozialer Not dauerhaft entwurzelt wurde ohne dabei zu pathetisch zu wirken.