HERAUSRAGEND
THE SMASHING MACHINE
VERLEIH: LEONINE
KINOSTART: 02. OKTOBER 2025
Ende der 1990er Jahre tritt der Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Mark Kerr (Dwayne Johnson) zwar schon in der UFC an, seine größten Fights jedoch absolviert er für den japanischen MMA-Veranstalter „Pride Fighting Championships“. Doch je länger er im Ring steht, desto größer werden, obwohl er bis dato nie verloren hat, seine Verletzungen und die damit einhergehenden Schmerzen. Um diese zu lindern, nimmt er mehr und mehr Schmerzmittel zu sich und wird am Ende Opioidsüchtig, und im Gegensatz zu den USA werden harte Schmerzmittel in Fernost nicht einfach so verschrieben. Während ihn sein Mentor, Trainer, Gegner im Ring und bester Freund Mark Coleman (Ryan Bader) konsequent unterstützt und für ihn da ist, kommt es mit seiner Freundin Dawn Staples (Emily Blunt) immer wieder zu Auseinandersetzungen, die auch auf seinen Schmerzmittelabhängigkeit zurück zu führen sind. Sie lieben sich, streiten sich aber oft, da er ein Perfektionist und Kontroll-Freak ist, genauso wie er seinen Sport handhabt. Um sich auf sein letztes Turnier in Japan vorzubereiten geht er freiwillig in eine Entziehungsklinik um wieder clean zu werden und seine Beziehung zu Dawn zu retten. Dann kommt es zu seinem letzten Turnier in dem auch sein Freund Mark Coleman einer seiner Gegner sein wird.
Für den US-amerikanischen Filmemacher Benny Safdie markiert das Biopic über den MMA-Kämpfer Michael Kerr, „The Smashing Machine“, seinen ersten Spielfilm ohne seinen Bruder Josh Safdie. Darüber hinaus kann das Publikum zum ersten Mal den ehemaligen Wrestling-Star und mittlerweile geschätzten Filmschauspieler außerhalb von Comedy („Red One: Alarmstufe Weihnachten (2024)“) und Action („Fast & Furious 6-10“) in seiner wirklich ersten ernsthaften Charakterrolle erleben. Dies ist auch das wesentliche tragende Element des Films, denn was diesen Film „The Smashing Machine“ von anderen Spielfilmen über Mixed Martial Arts, Boxen, Wrestling und andere Vollkontakt-Eins-gegen-Eins-Sportarten unterscheidet, ist nicht so sehr die Herangehensweise von Autor und Regisseur Benny Safdie an das Material. Vielmehr ist es die Leistung von Dwayne Johnson in seiner ersten nicht-überdimensionalen Action-/Nicht-Comedy-Rolle.
Dwayne Johnsons Leistung, und glücklicherweise hält sie, was sie verspricht ist wirklich sehenswert. Dies ist mit Abstand die beste Leistung, die der Schauspieler jemals auf der großen Leinwand gezeigt hat. Auch wenn er seinem darstellenden Charakter nicht ganz ähnelt, trifft Johnson seinen nasalen Tonfall perfekt und spricht gelehrt darüber, was ihm MMA-Kämpfe bedeuten. Sein munterer Tonfall und die detaillierte Beschreibung jedes einzelnen Szenarios sind so einzigartig, dass sie eher zu einem Thriller passen als zu jedem Wrestling-Film. Es ist faszinierend, einen über 113 Kilo schweren Kerl auf einer Karussellfahrt sagen zu hören, dass er sich Sorgen um seinen „Bauch“ macht. Man merkt, wie sehr Johnson den Schmerz versteht, den Kerr täglich beim Kämpfen verspürt, und zu sehen, wie er seine Frustration ständig hinter einem Seufzer oder einem Lächeln verbirgt, macht es faszinierend, ihm zuzuschauen.
Auch wenn im Jahre 2002 Peter Hyams mit seiner gleichnamigen Dokumentation, „The Smashing Machine“, Michael Kerr schon mal ein Denkmal gesetzt hatte, muss sich diese „Spielefilmvariante“ keinen Vergleich scheuen.
Natürlich ist der „MMA-Sport“ nicht jedermanns Sache, denn er ist im Vergleich zum Wrestling und Boxen wesentlich brutaler und hat, man glaubt es kaum, auch einige Regeln: So verbietet eine davon es, einem Gegner mit dem Knie an den Kopf zu stoßen (ein wichtiger Handlungspunkt!). Es ist jedoch völlig akzeptabel, jemandem wiederholt ins Gesicht zu schlagen, wenn er bereits am Boden liegt.
Der Film zeigt darüber hinaus, einen bestimmten Geist der Kameradschaft unter den Kämpfern. So verstehen sie sich außerhalb des „Oktagons“ alle prächtig, wenn sie sich nicht gerade vor jubelnden Zuschauern gegenseitig vermöbeln. Die gezeigte Freundschaft zwischen Kerr und Coleman ist geradezu rührend und sehenswert. Zwar sind diese beiden nicht gerade begeistert von der Möglichkeit, gegeneinander kämpfen zu müssen, aber keiner von beiden wäre davon abgeneigt.
Die offensichtliche Ironie dieser Geschichte ist, dass der Hauptprotagonist Kerr mit Männern, mit denen er Tagtäglich im Ring kämpft, viel umgänglicher als mit seiner Geliebten. Das den Charakteren dabei diese Selbsterkenntnis meist unerreichbar ist, fällt ihnen nicht auf.
Dwayne Johnson ist sehr gut in der Rolle des Kerr, der versucht, so ehrlich wie möglich zu sein und sich seiner Berufung mit Leib und Seele widmet. Oscar-Preisträgern Emily Blunt überzeugt dabei als unberechenbare Freundin Dawn.
Die Chemie zwischen den beiden, Emily Blunt und Dwayne Johnson, ist leidenschaftlich, explosiv und beide ergänzen sich vortrefflich. Beide Darsteller schaffen es diesen toxischen Sturm heftiger Dysfunktionen glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen. Emely Blunt zeigt ihr für den Oscar ausgezeichnetes schauspielerisches Können und stiehlt fast in jeder Szene, in der die beiden zusammen zu sehen sind, Dwayne Johnson die Show.
HERASURAGEND! jens oliver marcks
