ZURÜCK IM RAMPENLICHT
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»Mit diesem Album kehre ich zurück auf die Bühne, Hilary Hahn Eclipse mit den Violinkonzerten von Dvořák und Ginastera Eine Herbst-Veröffentlichung von Deutsche Grammophon |
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Eclipse, das jüngste Album von Hilary Hahn, feiert die Kraft des Authentischen. In ihrer Einspielung mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt unter Music Director (2014-2021) Andrés Orozco-Estrada interpretiert die dreifache Grammy-Gewinnerin drei Werke, die gleichermaßen emotional wie tief im musikalischen Erbe ihrer Schöpfer verwurzelt sind: Dvořáks Violinkonzert, eine Tour de Force aus der »slawischen Periode« des böhmischen Komponisten, Ginasteras Violinkonzert, ein Kleinod aus dem 20. Jahrhundert, und Sarasates Carmen-Fantasie, ein virtuoses Paradestück der klassischen Musik. Hahn erklärt: »Diese Aufnahme erzählt Geschichten, die ich erst wirklich verstand, als ich wieder auf die Bühne trat: vom Hochgefühl, zu sich zu finden, von der Offenbarung eigener künstlerischer Identität, vom Wiederfinden der Musik als wahrer Sprache seiner selbst.« Eclipse erscheint am 7. Oktober 2022 bei Deutsche Grammophon, auf CD, 2 LPs, als e-Album und im Dolby-Atmos-Format. Mit dem Projekt setzt Hahn gleich mehrere Meilensteine. Sie hat einen frischen Zugang gefunden zu schon lange geliebten Werken, als sie nun jedes von ihnen zum ersten Mal einspielte, und sie hat neue Ausdrucksmöglichkeiten entdeckt. Eclipse spiegelt auch ihre enge Zusammenarbeit mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt (in Konzerten am Main wie auf Tournee) und mit Maestro Orozco-Estrada. Vor allem aber dokumentiert das Album Hahns Rückkehr in die Welt der Tonaufnahmen nach einem Sabbatjahr, auf das Monate künstlerischer Abgeschiedenheit folgten. Die Abstinenz von der Bühne brachte für Hahn tiefgreifende persönliche Veränderungen mit sich. Als sie nach unzähligen abgesagten Konzerten und langem einsamen Üben nach Frankfurt reiste zum Livestream von Dvořáks Violinkonzert, war sie unsicher, wohin ihr Spiel sie führen würde. Doch mit Orozco-Estrada und den Frankfurter Musikerinnen und Musikern fand sie schnell zu ihrem ureigenen Ausdruck zurück, zum Auftritt. Hahn stellte fest, dass ihr musikalisches Selbstverständnis im Alleinsein nur umso stärker geworden war: »Das war echte Lebensenergie, die mich durchfuhr, als ich letztes Jahr im April für das Dvořák-Konzert auf die Bühne ging, als trete ich in eine Welt in Technicolor.« Zwei Monate später konzertierten Hahn und das hr-Sinfonieorchester Frankfurt erstmals seit dem Lockdown wieder vor Publikum, und Ginasteras Violinkonzert und Sarasates Carmen-Fantasie wurden mitgeschnitten. Neben dem Glück über das Musizieren mit Künstlerkolleginnen und -kollegen begeisterte Hahn die einzigartige Qualität der Werke für Eclipse. Alle drei hier vertretenen Komponisten verbrachten lange Zeit fern ihrer Heimat – Dvořák und Ginastera lebten einige Jahre in den USA, Sarasate war ständig auf Tournee –, doch in der Entwicklung ihrer ganz eigenen, unverwechselbaren Stile blieben sie ihren kulturellen Wurzeln treu. Dvořák, der als Metzgersohn in einem Dorf in Böhmen aufwuchs, arbeitete die Volkslieder und Tänze seiner Kindheit und Jugend später in seine Musiksprache ein und trotzte damit der Unterdrückung der tschechischen Kultur und Sprache durch die Österreichisch-Ungarische Monarchie. In sein Violinkonzert a-Moll, op. 53, zwischen 1879 und 1882 für die Virtuosenlegende Joseph Joachim geschrieben, webte er die für seine slawische Periode typischen volkstümlichen Themen in die klassische Form von Sonate und Rondo ein. Das Werk schließt mit einer stilisierten Variante des feurigen tschechischen Tanzes Furiant, der für Hahn Teil »eines ganzen Kosmos menschlicher Gefühle« ist. Ginasteras Konzert war ein Auftragswerk des New York Philharmonic und wurde 1963 von Ruggiero Ricci und dem Orchester unter der Leitung von Leonard Bernstein im neu eröffneten Lincoln Center uraufgeführt. Der Komponist aus Buenos Aires machte sich in den 1950er-Jahren in den USA einen Namen mit Werken, die Elemente traditioneller argentinischer Musik mit provokantem Modernismus verbinden. Sein Violinkonzert, das in den unsteten Jahren zwischen der Absetzung von Juan Perón im Jahr 1955 und dem Militärputsch im Jahr 1966 entstand, erforscht die endlosen Variationsmöglichkeiten der Form: Die atemberaubende eröffnende Solokadenz führt eine Vielzahl von Themen ein, die Violine und Orchester anschließend in drei raffiniert gestalteten, faszinierend komplexen Sätzen verarbeiten. Das im Werk zentrale Adagio zeichnet sich besonders dadurch aus, dass neben dem Solisten auch die Solostimmen im Orchester im Mittelpunkt stehen. »Von Ginasteras Konzert bin ich schon seit Jahren wie besessen«, sagt Hahn. »Es ist faszinierend, magisch und seltsam zugleich. Es bringt die krudesten Gefühle zusammen, die wir als Mensch so haben können, aber in einer Form, die einfach genial ist.« Der in Pamplona geborene Geiger und Komponist Pablo de Sarasate gab die Uraufführung seiner überaus anspruchsvollen Carmen-Fantasie 1883 in Paris. Die mitreißenden Erfolgsmelodien aus Bizets Carmen, dem tragischen Eifersuchtsdrama vor südspanischer Kulisse, lieferten Sarasate den Stoff für eine Reihe bunter Episoden, die den Charakter der Oper und ihrer charismatischen Heldin auf den Punkt bringen. »Bei dieser Interpretation liegt mein Schwerpunkt auf der operesken Gestaltung, damit man die Worte innerlich mithören kann und die Geschichte, die sie erzählen, greifbar wird«, sagt Hahn. »Es war wunderbar, daran mit meinen großartigen Frankfurter Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten.« »Bei diesem Album habe ich das Gefühl, dass es uns gemeinsam gelungen ist, in schwierigen Zeiten etwas Schönes zu erschaffen«, ergänzt sie. »Beim Schlussakkord der Carmen-Fantasie spürte ich: Ich war durchs Feuer und gestärkt daraus hervorgegangen, als Musikerin verwandelt, zu allem bereit.« Sie selbst vergleicht diesen Wandel mit der Wiederkehr des Lichts nach einer Sonnenfinsternis. »Vieles kann eine künstlerische Entwicklung befeuern, aber oft wird sie durch große Ereignisse in Gang gesetzt. Ich freue mich sehr, diesen entscheidenden Moment, dieses Ankommen, diese Verschmelzung künstlerischer Stimmen in der Sprache der Musik zu teilen, die jeder versteht.« |

